Rheinmetall Air Defence Head Oliver Dürr Resigns Over Health and Warns Switzerland on Security

«Weil ich müde bin.» Mit diesen Worten begründete Oliver Dürr, der Chef der Luftverteidigungssparte bei Rheinmetall in Zürich Oerlikon, seinen überraschenden Rücktritt nach fünf Jahren an der Spitze des Standorts. 20min.ch berichtete zuerst über das Interview in der NZZ, in dem der 55-jährige Manager nicht nur gesundheitliche Konsequenzen aus einer enormen beruflichen Belastung zog, sondern auch schwere Vorwürfe gegen die Schweizer Sicherheitspolitik erhob.

Unter seiner Führung hatten sich Umsatz und Belegschaft des Rüstungsbetriebs in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht. Dennoch zieht Dürr nun die Reissleine. Vor sechs Jahren erlitt er einen Schlaganfall und spürt die körperliche Erschöpfung mittlerweile so stark, dass selbst längere Ferien keine Erholung mehr brachten. Gerüchte über eine angebliche Entlassung wies er entschieden zurück; der Entschluss, das Unternehmen zu verlassen, sei allein auf seinen Körper zurückzuführen, auf den er jetzt hören müsse.

Scharfe Kritik an der Schweizer Sicherheitspolitik

Neben den persönlichen Gründen nutzte der abtretende Manager die Gelegenheit für eine fundamentale Abrechnung mit der politischen Realität in der Schweiz. Die Bedrohung durch Drohnen werde im Land massiv unterschätzt, während andere europäische Staaten in diesem Bereich längst weiter seien. «Wir sind längst nicht mehr die Insel der Glückseligen», erklärte Dürr gegenüber der NZZ. Um die Tragweite der Situation zu verdeutlichen, lieferte er eine provokante Prognose: «Womöglich braucht es eine fremde Drohne auf dem Bundesplatz – ohne dass jemand zu Schaden kommt, versteht sich.»

Nach seiner Einschätzung ist die Schweiz auf solche Szenarien kaum vorbereitet. Es fehle bereits an den grundlegenden Voraussetzungen, da nicht einmal die behördliche Zuständigkeit für die Abwehr einer fremden Drohne klar geregelt sei. Zwar fordern bürgerliche Parteien laut Dürr immer wieder lautstark eine starke Landesverteidigung, doch in der praktischen Umsetzung und bei der geschlossenen Finanzierung hapere es gewaltig. «Auf dem Papier haben wir ein bürgerliches Parlament, in der Realität sehe ich davon wenig», so das Fazit des Top-Managers.

Warnung vor dem Abzug der Rüstungsindustrie

Um die notwendige und rasche Aufrüstung des Landes zu finanzieren, plädiert Dürr inzwischen sogar für eine moderate Mehrwertsteuererhöhung – ein Schritt, den er als Unternehmer prinzipiell ablehnen würde, den er angesichts der aktuellen Bedrohungslage jedoch für unumgänglich hält. Gleichzeitig warnte er vor den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Konsequenzen, sollte die geplante Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes scheitern. In diesem Fall drohe die Abwanderung mehrerer Rüstungsunternehmen aus der Schweiz.

Dürr wirft der Schweizer Politik und Gesellschaft vor, sich allzu bequem auf dem historischen Wohlstand und der traditionellen Neutralität auszuruhen. Die Öffentlichkeit blende unangenehme Realitäten aus und sei schlicht verwöhnt. Seine drastische Diagnose für diese Haltung lautet: «Das ist Wohlstandsverwahrlosung.» Zudem kritisierte er eine aus seiner Sicht widersprüchliche Heuchelei bei internationalen Rüstungsgeschäften, bei denen Europa zwar israelische Waffen kaufe, aber selbst keine Rüstungsgüter dorthin liefern wolle.

Interview with Rheinmetall Air Defence CEO Oliver Dürr
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Alexandra Hartman Editor-in-Chief

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